Biodynamischer Weinbau

Biologisch-dynamischer Weinbau ist eine Form der organisch-biologischen Produktionsmethode und eine den Weinbau betreffende spirituelle Weltanschauung. Der „biologisch-dynamische Weinbau“ enthält Regelungen und Maßnahmen, die auf die geheimwissenschaftlich-geisteswissenschaftliche Erforschung der übersinnlichen Welt von Rudolf Steiner aufbauen. Eine anthroposophische (kurz: "ganzheitliche") Betrachtung des „biologisch-dynamisch“ wirtschaftenden Betriebes (Mensch, Tier, Pflanze) und geschlossene Kreisläufe durch artenreiche Fruchtfolge und Viehhaltung ist das Ziel dieser Produktionsmethode. Die Grundlage der „biologisch-dynamischen“ Wirtschaftsweise bildet die 1924 gehaltene Vortragsreihe „Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“ von Steiner. Die biologisch-dynamische Produktionsmethode ist seit 1924 Bestandteil des ökologischen Demeter Anbauverbandes und des heute international geschützten Markenzeichens Demeter und des Markenzeichens „Biodyn“, beide aus dem Umfeld der Anthroposophie.

 

Grundlagen des biologisch-dynamischen Weinbaus

 

Geistige Grundlage des „biologisch-dynamischen Weinbaus“ bildet die Anthroposophie, die von Rudolf Steiner als neue „Theosophie“, „Geheimwissenschaft“, „Geisteswissenschaft“ begründet wurde. Die Wurzeln dieser gehen unter anderem auf die christliche Mystik, den Goetheanismus und Haeckels Monismus zurück. Nach Goethe offenbare sich das Leben der Menschen in einer sinnlich-übersinnlichen Form und nicht in physikalischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten. Nach Steiner (1913) besitze die Rebe eine einzigartige Fähigkeit: „All die Kräfte, die bei anderen Pflanzen nur für den jungen Keim aufgespart werden, in den Samen strömen und nicht in das Übrige der Pflanze, ergießen sich bei der Rebe auch in das Fruchtfleisch und werden so dem Menschen verfügbar“. Die anthroposophisch-ganzheitliche Betrachtung des biologisch-dynamischen Weinbaues schließt kosmische Einwirkungen, beispielsweise Mondphasen, auf die Organismen mit ein. Bodenbearbeitung, Aussaat und Kellerarbeit sollen unter Berücksichtigung der planetaren Konstellation durchgeführt werden, soweit das Betriebsstruktur und Wetter zulassen. Diese grundlegenden biologisch-dynamischen Forderungen sind im allgemeinen biologischen Weinbau nicht so einfach oder gar nicht zu verwirklichen. Zudem sind die biologisch-dynamischen Forderungen außerhalb der Anthroposophie nicht nachvollziehbar; eine wissenschaftliche Überprüfung der übersinnlichen geistigen Grundlagen des biologisch-dynamischen Weinbaus nicht möglich.

 

 

 

 

Spirituelle Präparate des biologisch-dynamischer Weinbaus

 

Nach den Richtlinien von Demeter wirtschaftende „biologisch-dynamische“ Betriebe müssen Hornmist- und Hornkieselpräparate einmal jährlich kulturartengerecht auf allen Betriebsflächen anwenden. Diese „biologisch-dynamischen“ Präparate werden als spirituelle Kräfte tragende Präparate vorgestellt, von denen geglaubt wird, dass sie zur Belebung der Erde, zur Qualität und Ertragsentwicklung der Reben, sowie der Gesundheit des Weinbaus innerhalb eines biologisch-dynamisch bewirtschaftenden Betriebes beitragen. Die Präparate sind mineralischer, pflanzlicher und tierischer Herkunft. Die anthroposophische Weltanschauung glaubt, dass sich diese Präparate durch die Einwirkung kosmisch-irdischer Kräfte während des Jahres zu Kräfte tragenden spirituellen Präparaten entwickeln. Die Präparate sollen nach Möglichkeit im „biologisch-dynamischen“ Betrieb selbst oder in einer regionalen „biologisch-dynamischen“ Arbeitsgemeinschaft hergestellt werden. Die Präparate werden mit Wasser rhythmisch verrührt – „dynamisiert“ – und auf den Boden ausgebracht oder auf die Blätter (Hornkiesel) gespritzt. Ähnlich wie bei der Homöopathie, sollen nicht die Mengen entscheidend sein, sondern die „biologisch-dynamische“ Qualität der Präparate. Alle organischen Wirtschaftsdünger sind mit den spirituellen Präparaten zu behandeln.

 

Im Webseiteneintrag von Demeter ist in einem Beitrag Der feine Unterschied Biodynamischer Weinbau folgendes zu lesen: „Vielmehr ist der Einsatz von biodynamischen Präparaten erforderlich. Dafür wird pulverisierter Quarz in ein Kuhhorn gefüllt und von Frühjahr bis Herbst im Boden eingegraben, damit es die kosmischen Kräfte speichert. Im Herbst ausgegraben, wird der feine Hornkiesel in Wasser rhythmisch verrührt (dynamisiert) und als Spritzpräparat in feinen Tröpfchen auf den Weinberg verteilt. Ein weiteres markantes Präparat ist der Hornmist. Dafür wird Kuhmist in einem Kuhhorn im Herbst in den Boden eingegraben. Auch diese Präparat-Füllung wird dann dynamisiert und im Frühjahr auf den Weinberg gesprüht. Für den lebendigen Dünger des Weinbergs und seiner Reben sorgt Kompost in Verbindung mit Kräuter-Präparaten (zum Beispiel von Schafgarbe und Schachtelhalm).“

Eine Langzeitstudie die auf einem kommerziellen Weinbaubetrieb in Kalifornien durchgeführt wurde, verglich Weinanbaufelder die mit „biologisch-dynamischen“ Präparaten behandelt wurden mit solchen, die nach der üblichen organisch-biologischen Weinbaumethode bewirtschaftet wurden, um Effekte auf die Boden- und Weinqualität zu messen. In den ersten sechs Jahren wurden keine Unterschiede in der Bodenqualität festgestellt und Hinweise auf Unterschiede in der Weinqualität, hinsichtlich Ertrag, Anzahl der Weintrauben pro Stock, Weintrauben- und Weinbeerengewicht blieben aus. 

Hinweis: Wirkungen der spezifisch „anthroposophisch-ganzheitlichen“, „biologisch-dynamischen“ Weinbaumethoden, insbesondere im Zusammenhang mit okkulten kosmischen Kräften, können mit wissenschaftlichen Methoden nicht überprüft werden. Naturwissenschaftlich können die geglaubten „biologisch-dynamischen“ Wirkungen nicht bestätigt werden. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Zusetzung dieser Präparate die Pflanzen- oder Bodenqualität verbessern, oder zur Qualität und Ertragsentwicklung der Reben beitragen. 

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